Alcest-Konzert in der Szene Wien Sa. 22.02.2020

Am Samstag, den 22. Februar 2020, war für 20.00 Uhr ein Konzert der französischen Blackgaze-Band ALCEST im Wiener Lokal "Szene" anberaumt. Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen, zumal mich diese Band vor wenigen Jahren als Vorgruppe von ANATHEMA rasch von sich überzeugen konnte.

Heute war ALCEST die Hauptgruppe. Unterstützt wurden sie von der isländischen Dark-Wave-Band KAELAN MIKLA und den französischen Hardcore-Band BIRDS IN ROW. Für mich war das eine durchaus überaschende Kombination an Bands, da sich diese stilistisch doch sehr stark unterscheiden.
   
Ich war ab 19.30 Uhr vor der Szene. Im Vorfeld sind mir dann schon der Schlagzeuger "Winterhalter" von ALCEST und Solveig von KAELAN MIKLA über den Weg gelaufen. Der Einlaß fand dann um 19:30 Uhr statt.

Positiv überascht war ich von der isländischen Kombo KAELAN MIKLA. Die Performance war gehörig mystisch angehaucht. Vor jedem Lied brachte die Leadsängerin der Band durch Anschlagen an einem Gegenstand eine Art symbolisierten "Zauberstab" dazu blau zu leuchten. Erst kurz vor dem Konzert habe ich mich über diese Band erstmals informiert. Der Gesang ist aus meiner persönlichen Sicht teilweise etwas gewöhnungsbedürftig, wie die grelle Stimme im Lied "Kalt". Doch Geschmäcker sind verschieden. Ich habe gelesen, daß Robert Smith (THE CURE) von den Künsten der drei Isländerinnen sehr angetan sein sollen. Das kann ich mir durchaus vorstellen, da einige der Lieder durchaus etwas an den Stil der "Faith" von THE CURE erinnern. Die drei Damen zaubern mit wenigen Instrumenten eine durchaus angenehme düstere Atmosphäre zum Eintauchen in deren Lieder. Mein persönlicher Favorit aus dem Liederrepertoire dieses Trios ist der Song "Næturblóm".  

Als zweites trat die Hardcore-Band BIRDS IN ROW auf. Deren Spektrum erstreckt sich von gewissen Grunge-Einflüssen bis zu massiv hart bretternden Passagen. Von Anfang an war immer mal wieder ein Moshpit in der Mitte des vordernen Präbühnenbereiches zu erkennen. Während ich bei KAELAN MIKLA noch in der zweiten Reihe stand, kam man bei BIRDS IN ROW schon kaum mehr bei der Tür in den Veranstaltungssaal. Ich hörte munkeln, daß die Veranstaltung ausverkauft sei. Recht unterhaltsam fand ich das Vorkommnis, als ein offensichtlich sehr begeisterter Besucher in einer Liederpause in Englisch nach vor brüllte, woher die Band denn kommen würde. Der Sänger antwortete "from France". Und nach einer kurzen Pause konnte er es sich nicht verkneifen, hinzuzufügen, daß er das eigentlich eh bereits am Anfang des Konzerts gesagt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob der Fragende das nächste Mal eine solche Frage nochmals während eines Konzerts stellen wird. Auffallend war auch ein gewisser missionarischer Eifer der Band in Bezug auf die Vermittlung ihrer Werte, wohl zu dem Zweck, diese im Volk zu verbreiten. Dies äußerte sich in bestimmten Formulierungen und Appellen während den Pausen zwischen Liedern. Auch ließ uns die Band an Teilen ihres Weltbildes teilhaben.

Schwer begeistert war ich wieder einmal vom Auftritt der Hauptgruppe ALCEST. Ihren Musikstil würde ich in einem Spektrum von Post Rock und Post Metal mit Black-Metal-Elementen lokalisieren, was man offiziell offensichtlich als "Blackgaze" bezeichnet. Gesanglich besticht die Band insbesondere mit Mehrstimmigkeit bei gesungenen Passagen sowie mit stellenweisem Black-Metal-Gesang. Begonnen wurde mit Liedern ihres neuesten Machwerks "Spiritual Instinct". Persönliche Höhepunkte waren für mich die Lieder "Autre Temps" und "Délivrance", wobei letzteres wohl das beste Abschlußlied für ein Konzert darstellt, das ich kenne. Das sieht die Band wohl auch so, zumal sie bei vergangenen Touren bereits dieses Lied als Abschluß ihres Auftritts verwendeten und das auch bei dieser Tour wieder so war. Was diese Band ebenfalls auszeichnet ist ihr Vermögen, den Zuschauer in gewisse Lieder "versinken" zu lassen. Ihre Lieder sind gekennzeichnet von einer starken Emotionalität und einem Ansprechen der Seele mittels Resonanz (was Musik zwar allgemein eigen sein sollte, es leider aber nicht immer ist, und somit wohl gute von schlechter Musik unterscheidet. Aber jetzt beginne ich ja selber schon zu missionieren - also aus (!) jetzt).

Neige, der Leadsänger von ALCEST, hat sich nach dem Konzert dann noch unters Volk gemischt und ist für Gespräche zur Verfügung gestanden. Davon war ich Augenzeuge sowie Ohrenzeuge der Aussage, daß Neige schon über eine Stunde mit Besuchern des Konzerts geplaudert hatte, wofür er vom Treffer dieser Aussage hohes Ansehen erntete, wie in dessen Stimme zu erkennen war.

Kurz und gut: ein wirklich sehenswertes Event. Eine erfreuliche Angelegenheit. Wer ALCEST heuer noch sehen will, hätte dazu beispielsweise am Brutal-Assault-Festival in Tschechien die Gelegenheit dazu (so nach aktueller offizieller Verlautbarung des BA-Festivals).