Mental fit in der häuslichen Isolation

Häusliche Isolation und Quarantäne sind Ausnahmesituationen, die auch auf die Psyche einwirken und damit sehr belastend sein können. Der Berufsverband Österreichischer PyschologInnen (BÖP) hat deshalb ein Informationsblatt auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnis erstellt, um diese herausfordernde Zeit gut zu überstehen.

Neben allgemeinen praktischen Tipps, die ihr auch auf Gazzette.cc findet, wurden auch Hinweise gegen Ängste und große Sorgen gesammelt.

Medienkonsum beschränken

Die größte Verunsicherung entsteht durch einen ständigen und unreflektierten Medienkonsum. Neben im Internet kursierenden Fake News, also Falschinformationen, bieten seriöse Medien eine Vielfalt an Tatsachenberichten. Diese ständige Konfrontation mit bestimmten Bildern und Schilderungen kann allerdings nicht nur hilfreich, sondern auch belastend sein. Es ist also an der Zeit unseren Medienkonsum bewusst einzuschränken.

Panikmache – nein, danke!

Im digitalen Zeitalter erreichen uns sehr schnell und einfach allerhand Meldungen. In Krisenzeiten kursieren massenweise beunruhigende, teilweise falsche, Informationen via SMS, Mails, Videos oder über Social-Media-Kanäle. Jetzt ist es wichtig Grenzen zu setzen und auf das Lesen dieser meist unreflektiert weitergeleiteten Nachrichten zu verzichten.

Fokus auf Positives

In einer Zeit, in der man von außen beschränkt wurde und vieles negativ erscheint, ist es besonders wichtig Positives in den Fokus zu rücken. Dies beruhigt und stabilisiert. Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch diese außergewöhnliche Situation? Was können wir endlich machen, weil wir plötzlich Zeit dafür gewonnen haben? Welche Vorteile können wir aus der Zeit des Daheimseins nutzen? Bei einem Gespräch mit Familie und FreundInnen können positive Aspekte gemeinschaftlich gefunden werden.

Gefühle wahrnehmen

Ungewohnte Situationen lösen unterschiedliche Gefühle aus. Manche verspüren Verwirrung, andere Stress, viele vielleicht Angst. Alle diese Gefühle sind verständlich, aber wenn sie zu viel werden, wird man regelrecht davon überschwemmt. Wichtig ist es daher inne zu halten und sich seiner Gefühle bewusst zu werden. Manche schreiben ihre Gefühle nieder, andere drücken sie in Form von Kreativität aus. Egal wie, es ist an der Zeit unsere Gefühle bewusst wahrzunehmen und auszudrücken.

Über Gefühle sprechen

Wenn man seine Gefühle nicht niederschreiben oder kreativ ausdrücken möchte, dann hilft ein Gespräch darüber. Familie und Freundeskreis sind gerade in derselben Situation und können mit einem offenen Ohr und dem Austausch der eigenen Gefühle eine große Hilfe sein. Sollte das nicht helfen, steht bei der Helpline des BÖP (01/504 8000) auch professionelle Hilfe zur Verfügung.

Grübeln einbremsen

Im Umgang mit Stresssituationen ist Grübeln eine der vielen Strategien. Wir zerbrechen uns über alles Mögliche den Kopf. Das kann gut und wichtig sein, solange es sich in Grenzen hält. Zu viel Grübeln führt nämlich zu zusätzlichem Stress. Um das Grübeln zu beschränken kann man sich im Vorhinein schon Tätigkeiten überlegen, die man stattdessen machen kann. Das sollte etwas sein, das einem gut tut. Wie wäre es stattdessen mit Lesen, Schreiben oder einem neuen (Back-)Rezept Ausprobieren? Oder der 5-4-3-2-1-Übung? Augen schließen und drei tiefe Atemzüge nehmen. Öffne die Augen wieder und benenne der Reihenfolge nach, egal ob laut oder in Gedanken, fünf Dinge, die du gerade sehen; vier Dinge, die du hören; drei Dinge, die du fühlen; zwei Dinge, die du riechen und eine Sache, die du schmecken kannst.

Entspannungsübungen

Schon gewusst? Angst und Entspannung können nicht gleichzeitig passieren. Wenn sich also Ängste breit machen, am besten gleich ein paar Minuten Zeit nehmen und anstatt sich rein zu steigern, lieber eine Entspannungsübung machen. Anleitungen dazu gibt es im Internet. Auf Youtube wird man schnell fündig, auf Instagram bieten Yoga- und Meditationstrainer Live-Videos an und auch im AppStore finden sich einige MeditationsApps. Die schnellste Lösung bietet die einfachste Übung: Augen schließen, tief ein- und ausatmen, dabei konzentriert wahrnehmen, wie sich der Brustkorb bei der Atmung hebt und senkt. Nach wenigen Atemzügen scheinen Ängste verflogen zu sein.

Alles hat ein Ende

So außergewöhnlich die aktuelle Situation gerade ist, so vergänglich ist sie. Selbst wenn ein Ende noch nicht absehbar ist, der COVID-19-Ausbruch wird unweigerlich vorübergehen. Es handelt sich also um eine zeitlich beschränkte Ausnahmesituation. Wenn wir uns jetzt an die von der Bundesregierung auferlegten Beschränkungen halten, tragen wir selbst zu einem schnelleren Ende bei. Wenn wir das Erkrankungsrisiko bewusst vermindern, indem wir zu Hause bleiben, engen zwischenmenschlichen Kontakt vermeiden, regelmäßig Hände waschen und desinfizieren, dann können wir uns auf die Zeit danach freuen.