Häusliche Isolation – 10 Tipps für Familien

Die aktuelle Situation ist nicht nur für Einzelpersonen eine besondere Herausforderung. Familien stoßen dabei an ihre Belastungsgrenzen. Psychologin und IBG-Expertin Mag. Regina Nicham nennt zehn Tipps, wie man diese Umstände meistern kann.

Das Maßnahmenpaket der österreichischen Bundesregierung stellt Eltern vor große Herausforderungen. Während im ganzen Land die Schulen geschlossen würden, liegt es nun in der Verantwortung der Eltern ihren Kindern zu erklären, dass sie zwar schulfrei aber keine Ferien haben. Kinder und Jugendliche können also nicht einfach ihren üblichen Hobbies und Beschäftigungen nachgehen, sondern müssen zu Hause bleiben. Und das auf unbestimmte Zeit.

Mag. Regina Nicham ist Psychologin und Leiterin des Fachbereichs Arbeitspsychologie bei Österreichs größtem betrieblichen Gesundheitsdienstleister IBG. Sie hat zehn Tipps für Familien gesammelt, die helfen sollen mit dieser außergewöhnlichen Belastungssituation fertig zu werden.

Tagesablauf strukturieren

Um Kindern und Jugendlichen in der aktuellen Situation Halt zu geben ist es wichtig auf einen strukturierten Tagesablauf zu achten. Dazu gehören feste Schlaf- und Essenszeiten, sowie Zeit zum Lernen aber auch Spielen. Wenn der Plan gemeinsam mit den Kindern erstellt wird, verhilft er zu mehr Akzeptanz. Klar abgegrenzte Situationen helfen dabei, dass sich jedes Familienmitglied beschäftigen kann.

Positive Haltung

Kinder spüren sofort, wenn wir unter Stress stehen und übernehmen diesen teilweise. Eine positive Grundhaltung ist daher besonders wichtig. Ruhe und Struktur vermittelt Kindern Sicherheit und Zuversicht. Natürlich kann es vorkommen, dass unsere Bemühungen nicht fruchten. Das ist absolut in Ordnung! Dann aber lieber von großen Erziehungsmaßnahmen absehen und stattdessen die Kinder zum gewünschten Verhalten motivieren. Die aktuelle Situation ist für unsere Kinder auch neu und schwer zu verstehen.

Situation ansprechen und zuhören

Jetzt ist die Gelegenheit mit unseren Kindern diese außergewöhnliche Situation zu besprechen. Dazu sollen wir einerseits die Hintergründe für die schulfreie Zeit altersgemäß erklären, aber auch unseren Kindern geduldig zuhören, wie sie ihre Eindrücke schildern. Dabei dürfen wir offen zugeben, wenn wir etwas nicht wissen. Die entscheidenden Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ansteckung sollen mit den Kindern durchgegangen werden. Wichtig ist dabei unseren Kindern bewusst zu machen, warum diese Vorsichtsmaßnahmen wichtig sind. Wer sich unsicher ist, wie man mit Kindern darüber sprechen soll, findet im Internet hilfreiche Videos.

Medienberichte reduzieren

In den internationalen Medien gibt es fast ausschließlich Berichte zum Corona-Virus. Egal ob zur aktuellen Lage, den wirtschaftlichen Folgen oder den politischen Maßnahmen weltweit. Ein Zuviel dieser Medienberichte kann für unsere Kinder beängstigend wirken und zu Aufmerksamkeitsverzerrung führen. Es liegt also an uns, die Kinder vor diesem Überangebot zu schützen.

Soziale Kontakte digital aufrechterhalten

Egal, welche Einstellung wir zu digitalen Medien und Kindern haben, in der aktuellen Situation sollten wir ihnen ermöglichen ihre sozialen Kontakte zumindest digital aufrecht zu erhalten. Bildgebende Medien wie Video-Telefonie können helfen damit unsere Kinder mit den Großeltern, anderen Familienmitgliedern und vor allem FreundInnen in Kontakt zu bleiben.

Bewegung

Auch wenn die Möglichkeiten momentan eingeschränkt sind, ist es wichtig, dass unsere Kinder die Möglichkeit haben, sich zu bewegen. Bewegung baut Stress und überschüssige Energie ab, das gilt übrigens auch für uns Erwachsene. Nutzen wir die Situation, um mit unseren Kindern gemeinsam Bewegungsübungen auszuprobieren, vielleicht haben sie sogar Tipps aus dem Schulturnunterricht.

Gemeinsam kochen

Eine weitere Möglichkeit das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, ist gemeinsam zu kochen und zu backen. Während unsere Kinder beschäftigt sind, vermitteln wir ihnen eine wichtige Haushaltsarbeit und freuen uns über die Hilfestellung bei dem ohnehin Notwendigen.

Brettspiele und basteln

Jeder Haushalt hat irgendwo Brettspiele oder Puzzle versteckt. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um diese auszugraben, abzustauben und mit unseren Kindern gemeinsam neu zu entdecken. Eine gute Beschäftigung sind auch Bastelarbeiten. Ostern steht vor der Tür. Warum nicht dieses Jahr den Osterschmuck gemeinsam herstellen? Wer keine Bastelbücher zu Hause hat, findet im Internet zahlreiche kreative Anleitungen.

Hörspiele, Fernsehen, Computer - Bücher

Hörspiele können Kinder stundenlang beschäftigen. Streaming-Anbieter wie "Spotify" oder "Audible" bieten ein großes Sortiment an großartigen Kindergeschichten zum Hören. Wenn wir selbst Zeit für andere Dinge gewinnen müssen und unsere Kinder sich mit allen analogen Angeboten nicht beschäftigen wollen, kann natürlich auch der Joker Bildschirm zum Einsatz kommen. Dabei ist es aber wichtig die Bildschirmzeiten für Fernsehen, Handy oder Computer, zu begrenzen. Nicht vergessen, sollte man das älteste Medium – ein Buch. Kinder können die Zeit sehr gut zum selbst Lesen nutzen. Die Wiener Büchereien stellen ihr digitales Angebot nun auch kostenlos zur Verfügung. Man muss dazu nur ab Montag ein E-Mail an die Adresse digitaleangebote@buechereien.wien.at schicken. Das Schreiben muss folgende Angaben beinhalten: Vorname, Nachname, Geburtsdatum und E-Mail-Adresse. Nach Möglichkeit werde der Zugang am nächsten Werktag freigeschaltet.

Langeweile darf sein

Eines dürfen wir allerdings nicht vergessen – wir sind keine Eventmanger für unsere Kinder! Gerade Langeweile kann bei Kindern große Kreativität wecken. Die Kinder schaffen es, unter vielleicht anfänglichem Gezeter, bald einmal sich selbst zu beschäftigen. Es ist auch ein großer und wichtiger Lernprozess für Kinder zu akzeptieren, dass man sich nicht immer mit ihnen beschäftigen kann.

Der gesamte Familienverbund steht unter den aktuellen Umständen unter großen psychologischen Druck. Dabei hilft eine große Portion an Optimismus: Wir geben unseren Kindern die Gewissheit, dass sich die aktuelle Situation wieder bessern wird – dazu müssen wir uns aber alle an die Spielregeln halten.